Artikel 2 – Der Fahrstuhl

Vier Menschen in einem Fahrstuhl. Der Fahrstuhl bleibt stecken – beziehungsweise fährt gar nicht erst los. So müssen die vier sehr unterschiedlichen Menschen miteinander auskommen – bis Erlösung naht. Und die kommt in ganz unerwarteter Gestalt…

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Vier Menschen bleiben in einem Fahrstuhl stecken. Beziehungsweise er fährt gar nicht erst los und die Türen lassen sich nicht mehr öffnen. So gezwungen, miteinander auszukommen, geraten die unterschiedlichen Charaktere immer wieder aneinander: Die Managerin, der Zweifler, der Nörgler und die Vernunft.

Sie stehen jeweils für eine Idee Mensch, für jeweils einen Grundtyp an Emotionen: Die karriereorientiere Managerin, die ganz nach oben will; der immerwährende Zweifler, der ewig studiert hat und schlussendlich Heilpraktiker wurde; ein immer nörgelnder Populist, der sich über mangelnde Meinungsfreiheit in Facebook-Gruppen beschwert und die ausgleichende Stimme der Vernunft, die bei diesen „Insassen“ irgendwann auch nicht mehr ausgleichend wirken kann.

Mit dem humorvollen und wortgewandten Kammerspiel „Der Fahrstuhl“ geht Sven Stricker auf unterschiedlichen (Meta-)Ebenen der Frage der persönlichen (Handlungs-)Freiheit nach.

Zwischendurch meldet sich Gott als Handwerker über die Störungsanlage und am Ende taucht noch ein alter Bekannter auf – mit dem keiner rechnet. Erst mit ihm löst sich das Rätsel um den feststeckenden Fahrstuhl…

Alle Folgen in der Übersicht

Die Macher*innen

Sven Stricker

Autor

Sven Stricker (Jahrgang 1970) studierte Komparatistik und Anglistik und ist nach einem Volontariat beim Ravensburger Verlag seit 2001 freier Regisseur und Bearbeiter für Hörspiele, Hörbücher und Features. Er gewann u.a. mehrmals den Deutschen Hörbuchpreis. 2013 erschien sein erster Roman „Schlecht aufgelegt“. Sein Hörspiel und Roman „Sörensen hat Angst“ wurde 2021 als Spielfilm für die ARD umgesetzt (Regie und Hauptrolle: Bjarne Mädel). Das Drehbuch schrieb der Autor selbst.

Der Nörgler

Bjarne Mädel

„Ich will mich hier jetzt nicht verteidigen, ja, das ist völlig okay, wie das bisher gelaufen ist! Muss ja nicht jeder gleich … alle wollen nur noch aufs Gymnasium, he, hallo, ihr Kind kann einen Stift gerade halten und rennt nicht jedes Mal mit der Fresse vor die Haustür, wenn es raus will, also schickt es aufs Gymnasium, es ist hochbegabt.“ Der Nörgler ist einer dieser Enttäuschten, hat Anleihen von Verschwörungstheoretikern und ist einfach generell unzufrieden. Und er nutzt sein gutes Recht, immer wieder seine Meinung zu sagen.

Bjarne Mädel ging nach dem Abitur für zwei Jahre nach Kalifornien, wo er zunächst auf dem Bau arbeitete und dann Literatur und Kreatives Schreiben studierte. Zurück in Deutschland entschied er sich 1989 für ein Studium der Theaterwissenschaften und Literatur, 1992 bis 1996 studierte er an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam. Es folgten Theater-Engagements in Rostock und Hamburg. Größere Bekanntheit erlangte Mädel 2004/2005 durch die Figur des Berthold „Ernie“ Heisterkamp in der TV-Serie „Stromberg“. Danach konnte er mit Hauptrollen in Serien und TV-Produktionen wie „Mord mit Aussicht“, „Der Tatortreiniger“ oder „Der Feind – Recht oder Gerechtigkeit nach Ferdinand von Schirach“ brillieren. Neben seinen Fernseharbeiten spielte Mädel schon in zahlreichen Kinofilmen, zuletzt in „25 km/h“ und „Was uns nicht umbringt“.

Die Managerin

Eva Meckbach

„Ich bin ins mittlere, obere Management hineingeboren worden, wohlhabende Familie, Elite-Uni, Geigenunterricht, warte aber seit einer Ewigkeit darauf, ins obere, obere Management befördert zu werden.“ Die Managerin ist eine kluge, ehrgeizige Frau, die immer nach oben strebt und dabei mit sich selbst und ihrem Verhältnis zu MeToo hadert.

Eva Meckbach studierte von 2003 bis 2006 Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin. Bereits im dritten Studienjahr wurde sie Ensemblemitglied an der Berliner Schaubühne. Bis 2019 war sie dort festes Ensemblemitglied und arbeitete mit Regisseuren wie Thomas Ostermeier, Simon McBurney, Marius von Mayenburg und Michael Thalheimer. Neben ihrer Theaterlaufbahn ist Eva Meckbach regelmäßig in Fernseh- und Kinofilmen zu sehen und als Sprecherin in zahlreichen Hörbüchern, Hörspielen und Features zu hören. Mit dem Hörbuch „Aquarium“ von David Vann wurde sie 2017 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert. 2019 gewann sie dann mit „Deutsches Haus“ von Annette Hess den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Beste Interpretin“.

Der Zweifler

Fabian Busch

„Meine Mutter hat sechsundvierzig Stunden gebraucht, um mich auf die Welt zu bringen, sie hat hinterher immer gesagt, ich hätte mich wohl nicht entscheiden können, ob ich nun raus will oder nicht. Naja … Sie wäre dabei fast gestorben. Und dann ging das irgendwie so weiter.“ Der Zweifler zweifelt an allem, vor allem an sich. Am Ende outet er sich dann auch noch vor den anderen als schwul. Und immer denkt er, er sei an allem schuld.

Fabian Busch spielte bereits mit Anfang 20, ohne Schauspielausbildung, die Hauptrolle in Wolfgang Kohlhaases Kinofilm „Inge, April und Mai“. Daraufhin wurde er von einer Agentur aufgenommen und spielte 1993 die Hauptrolle in Matthias X Obergs „Unter der Milchstraße“. Es folgten verschiedene Kino- und Fernsehproduktionen. Unter anderem war er 2003 in Oliver Hirschgiebels Spielfilm „Der Untergang“ zu sehen. Daneben spielt Busch immer wieder in populären Krimi-Reihen wie „Siska“ oder „Tatort“. 2015 war er für seine Rolle in „Er ist wieder da“ für den Deutschen Filmpreis als „Beste Männliche Nebenrolle“ nominiert.

Die Vernunft

Dorette Hugo

„Es ist so unglaublich anstrengend, ausgeglichen zu sein. Ich bin immer auf dem Mittelstreifen gelaufen, alles sauber, alles zielorientiert, keine Piercings, keine Tattoos, kein einjähriger Auslandsaufenthalt auf Rhodos, um einfach mal abzuhängen. Nein, alles ganz gerade und gut und ich war sogar Schülersprecherin und habe zwei Kinder mit schönen Namen und Seitenscheiteln.“ Die Vernunft ist immer vernünftig und ruhig geblieben, erlebt aber in der Auseinandersetzung mit den anderen im Fahrstuhl einen befreienden Ausbruch.

Dorette Hugo ist Schauspielerin und Synchronsprecherin und wurde 1965 in Münster geboren. Sie spielte an mehreren Berliner Theatern und arbeitete auch als Dialogregisseurin für verschiedene TV- und Kinoproduktionen, wie „Natürlich blond“ und „Eiskalte Engel“. Sie synchronisierte unter anderem Rollen von Winona Ryder, Salma Hayek, Christina Ricci, Alicia Witt, Mädchen Amick, Jennifer Garner sowie Brooke Shields. Außerdem ist sie bekannt als feste Synchronstimme von Tina Martin und wirkt in sämtlichen bisher erschienenen „Bibi&Tina“-Hörspielen mit. Sie verleiht auch verschiedenen Trickfilm-Figuren ihre Stimme, unter anderem der Ariel in „Arielle, die Meerjungfrau“.

Der Artikel im Grundgesetz

Artikel 2

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.