Deutsche Abgründe

Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe – diese Namen gaben rechtem Terror in Deutschland ein Gesicht. Und noch immer ist unklar, wie der NSU so lange unentdeckt morden konnte. Welche Rolle spielt die Terrorgruppe heute noch?

Beschreibung

Von Mai 2013 bis Juli 2018 war das Oberlandesgericht München der Ort für den Gerichtsprozess gegen den NSU. Der Name, der den meisten im Gedächtnis bleiben wird, ist der von Beate Zschäpe. Gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos bildete sie den Kern des Nationalsozialistischen Untergrunds, der für zehn Morde und weitere Vergehen verantwortlich gemacht wird.

Im Laufe des Prozesses wurde immer wieder darauf verwiesen, wie viele Fehler bei den Ermittlungen gemacht wurden. Von der Politik wurde die rechte Szene unterschätzt, V-Männer spielten eine fragwürdige, wenn nicht gar dubiose Rolle. Die Öffentlichkeit sprach teils von „Aufklärungsunwilligkeit“ der Behörden. Dabei war den Angehörigen der Menschen, die dem rechten Terror der Neonazi-Gruppe zum Opfer fielen, gerade die umfassende Aufklärung ein wichtiges Anliegen. Aber wurde dem entsprochen? Und war das Ende des Prozesses auch das Ende der Strahlkraft des NSU?

Fast zwei Jahre nach Prozessende zeigt die Süddeutsche Zeitung auf, wieso die Saat des NSU aufgegangen und warum und in welcher Form er immer noch unter uns ist.

Nach einem über Jahre andauernden Prozess werden nun die zahlreichen Informationen wieder ins Gedächtnis gerufen, eingeordnet und Zusammenhänge zu aktuellen Ereignissen aufgezeigt. Für die SZ war der NSU-Prozess eines der größten Themen der vergangenen Jahre. Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin der SZ, bezeichnete ihn als „Tiefenbohrung in die deutsche Gesellschaft“ und „Blick in den Abgrund“. Er zeige „ein Panoptikum der deutschen Nachwendezeit mit allen Verwerfungen und allen Fehlern“. Immer noch sind Veranstaltungen, bei denen die NSU-Protokolle gelesen und besprochen werden, ausverkauft. Noch immer scheinen die Menschen Fragen zu haben.

Zusammen mit Annette Ramelsberger bereitet Vinzent-Vitus Leitgeb den NSU-Komplex in dieser Audio-Dokumentation erneut auf.

Nur hier auf FYEO.

Unser Host & unsere Expertin

Vinzent-Vitus Leitgeb

Vinzent-Vitus Leitgeb, 1992 in Wien geboren, ist seit Beginn seines Studiums in Politikwissenschaften und Soziologie 2011 in München. Neben dem Studium arbeitete er beim Ausbildungsradio M94.5. Nach dem Masterabschluss absolvierte er die Deutsche Journalistenschule. Bei der SZ schreibt, spricht und schneidet er im Podcast-Team – vor allem für den Recherchepodcast „Das Thema" und den Nachrichtenpodcast „Auf den Punkt".

Annette Ramelsberger

Annette Ramelsberger war für die Nachrichtenagentur AP in der DDR und beim Mauerfall dabei, berichtete für den „Spiegel“ über die CSU und arbeitet nun seit Jahren für die Süddeutschen Zeitung als politische Autorin, Ressortleiterin und Gerichtsreporterin. Für ihre politische Berichterstattung erhielt sie den Theodor-Wolff-Preis. Für ihre Begleitung des NSU-Prozesses wurde sie 2014 als Reporterin des Jahres ausgezeichnet. 2019 ehrte das Magazin „Stern“ Annette Ramelsberger und ihr Team mit dem Nannen-Preis für die außergewöhnliche journalistische Leistung im NSU-Prozess.